Eine Zeitkrise des Politischen. Über die Zeitkrise im Superwahljahr 2011.
Anriss
Die Zeitkrise des Politischen treibt auch das
Superwahljahr 2011 an. Denn verschiedene Zeitstrukturen stehen in einem
Wettbewerb zwischen der repräsentativen und der direkten Demokratie. Die
Bundeskanzlerin formulierte selbstkritisch: „Das Amt des Bundeskanzlers
verlangt eine unglaubliche Komplexität von Entscheidungen und
Einschätzungen pro Zeiteinheit“.
Der Rohstoff Zeit ist zunächst elementar für jede Strategie. Zeitarmut ist eine wichtige Einschränkung von Strategiefähigkeit. Regieren im Minutentakt kennzeichnet das Politikmanagement der Spitzenakteure. Gleichzeitig nehmen die Komplexität und das nicht wissensbasierte Entscheiden unter Bedingungen der Unsicherheit zu. Politiker entkommen dieser Beschleunigungsspirale häufig mit dem Schein der Kohärenz. Die Pragmatiker des Augenblicks umgeben sich mit programmatischer Darstellungspolitik – Chefsachen-Thema! – oder mit präsidentieller Moderation. Doch die Zeitkrise des Politischen lässt sich damit nicht anhaltend austricksen. Denn Politik hat immer weniger Zeit, um Entscheidungen mit immer längerer Wirkungszeit und immer längeren Implementationsphasen zu treffen: Gegenwartsschrumpfung wird politisch alltäglich.
Dieser Beitrag ist eine leicht überarbeitete Fassung des Artikels "Über die Zeitkrise im Superwahljahr 2011" von Karl-Rudolf Korte. Erschienen auf Carta am 05.01.2011.
Zitationshinweis
Korte, Karl-Rudolf (2011): Eine Zeitkrise des Politischen. Über die Zeitkrise im Superwahljahr 2011. Erschienen in: Regierungsforschung.de, Politikmanagement und Politikberatung. Online verfügbar unter: http://www.regierungsforschung.de/dx/public/article.html?id=142









